Amerika 2014 // Tag 6: Faszination „Cable Car“

Unser zweiter Tag in San Francisco fängt natürlich mit nur einem Gedanken an: Können wir heute Cable Car fahren? Das Internet verrät uns: „Aller Voraussicht nach ja“. Mmmhhh… Stimmt das? Etwas skeptisch fahren wir erneut mit dem Bus in die Innenstadt. Fast wie Einheimische steuern wir zielsicher und ohne Umwege den bereits vom Vortag bekannten Fahrkarten-Schalter an. Und tatsächlich, wir können es kaum glauben: Wenige Minuten später halten wir zwei Tageskarten für die Cable Car in den Händen!

Wir suchen uns sofort die nächstgelegene Haltestelle. Noch etwas unsicher mit der ganzen Ein- sowie Aussteigeprozedur bringt uns unsere erste Fahrt – natürlich aufwärts – zum Stadtteil Nob Hill. Gefühlt am höchsten Punkt liegt uns die Stadt zu Füßen. Wir sind umgeben von der Grace Cathedral und steil abwärts verlaufenden Straßen. Das Parken ist dort mit besonderen, gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen verbunden, von denen wir uns selbst überzeugen wollen: Zusätzlich zum Anziehen der Handbremse haben Autofahrer die Vorderräder so zum Bordstein hin einzuschlagen, dass ein Wegrollen (Runaway) des Wagens unmöglich ist. Wer das vergisst, kriegt schneller ein Knöllchen als ihm lieb ist.

Auf unserer Tour können wir kein Fehlverhalten feststellen 😉 und schlendern gemütlich weiter durch die Straßen. Bis wir unerwartet vor dem Cable Car Museum stehen (1201 Mason Street, Web). Im Nachhinein betrachtet, ein absoluter Glücksfall und ein echtes Highlight: Während im ersten Stock des Museums die Geschichte und Funktionsweise der Cable Cars multimedial erläutert wird, kann man im unteren Teil die einzelnen Kabel der zwei von insgesamt noch drei im Einsatz befindlichen Cable Car-Linien zusammenlaufen sehen. Sehr beeindruckend wie die etwas modernisierte, jedoch eigentlich aus dem 19. Jahrhundert stammende Anlage immer noch akkurat und sorgfältig arbeitet.

Mit der nächsten, vorbeifahrenden Cable Car machen wir uns auf den Weg zur Filbert Street. Sie gehört zusammen mit der 22nd Street zu den steilsten Straßen in San Francisco und weist ein Gefälle von unglaublichen 31,5% auf. Allerdings ist die Filbert Street nicht die bekannteste Straße. Diesen Platz nimmt die nur zwei Blocks entfernte Lombard Street ein. Ihre Steigung mit 16% ist für San Francisco-Verhältnisse nicht ungewöhnlich, jedoch wird ihr steilster Abschnitt als „Crookedest Road of the World“ bezeichnet. In engen Serpentinen, die nur von Personenwagen und kleinen Vans bewältigt werden können, geht es im Schritttempo ca. 200 Meter bergab – vorbei an Blumenbeeten und gepflegten Anwesen. Die Popularität dieser Straße ist so groß, dass sich an ihrem unteren Ende fotografierende Menschentrauben bilden und Autofahrer für das Herunterfahren oft Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.

Unser Stadtrundgang führt uns schließlich wieder abwärts zum Strand, über den uns eine Art Promenade zur Golden Gate Bridge bringt. Auf dem Weg merken wir sehr deutlich, wie unterschiedlich das Wetter innerhalb einer einzigen Stadt sein kann und spüren die im Reiseführer beschriebenen Mikroklimata am eigenen Leib. Die warmen Sonnenstrahlen verstecken sich urplötzlich hinter dicken Wolken und machen Platz für den kalten, aus allen Richtungen pfeifenden Wind. Wir ziehen den Reißverschluss unserer dünnen Jacken bis zum Kinn und spüren die neidvollen Blicke uns entgegenkommender, total verfrorener Touristen in T-Shirt und kurzer Hose.

Trotz aller Widrigkeiten bahnen wir uns unseren Weg zur Golden Gate Bridge. Der Anblick der gigantischen Brücke mit ihrer rot angestrichenen Stahlkonstruktion ist überaus imposant. Daran kann auch der dicke Seenebel nichts ändern, der die einst längste Hängebrücke der Welt einhüllt.

In einem nahe gelegenen Café aufgewärmt wollen wir wieder in den sonnigen Teil San Franciscos und fahren mit der Cable Car zum Alamo Square. Unser Reiseführer hebt den Platz und seine viktorianischen Häuser, die sogenannten Painted Ladies, so hervor, dass wir nicht anders können und unserer Neugier nachgeben. Als wir dort ankommen, wird uns auch klar, warum: Das Panorama und der Blick auf die Skyline von San Francisco wecken nicht nur ein großes „Wow“ bei uns, sondern auch eine überraschende Erinnerung: Der kleine Park und die Häuser wurden in den 80er- und 90er-Jahren im Vorspann der Fernsehserie „Full House“ verwendet. Eine im Teenageralter von mir innig geliebte und täglich verfolgte, amerikanische Serie. 🙂

Es wird Zeit den Heimweg anzutreten. Eine letzte Fahrt mit der Cable Car bringt uns erneut ins Stadtzentrum, um von dort mit dem Bus zurück ins Hotel fahren zu können. Morgen erwartet uns der erste Tag im selbst angemieteten, fahrbaren Untersatz.

Unser Fazit: San Francisco lässt sich auch mit kleinem Geldbeutel sehr gut erkunden. Das beste Verkehrsmittel ist dabei die Cable Car, mit der die Berg- und Talfahrt zu einem kleinen, unvergesslichen Abenteuer wird. Der kostenfreie Besuch im Cable Car Museum darf dabei keinesfalls fehlen.

Die Mikroklimata sollten in San Francisco nicht unterschätzt werden. Es schadet nicht, immer eine kleine Jacke dabei zu haben. Falls diese gerade nicht zur Hand ist, sorgen aber auch die Souvenirläden rund um die Golden Gate Bridge mit Mützen, Pullover oder Schals für wohlige Wärme.

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