Amerika 2016 // Tag 10: Drahtesel und andere Erfindungen

Unser Hotel haben wir für zwei Übernachtungen gebucht, um nach unserem heutigen Tagesausflug dorthin zurückkehren zu können. Wir brechen zu einer der schönsten Inseln an der Westküste auf: Sanibel Island. Der Zugang erfolgt einfach, aber beeindruckend über den Sanibel Causeway. Die Brücke wurde 1963 eröffnet, doch ihr folgte im Gegensatz zu Miami South Beach kein unkontrollierter Bauboom.[1] Im Gegenteil: Die Bewohner von Sanibel Island erließen 1974 strenge Bau- und Naturschutzgesetze; sogar der Bau von Hochhäusern wurde verboten. Somit ist der Charme der kleinen Insel bis heute erhalten geblieben: Schnuckelige, kleine Läden statt großer Einkaufszentren und gewundene, teils enge Wege statt geteerte, begradigte Schnellstraßen.

Inselerkundung per Fahrrad

Das ist auch der Grund, weshalb wir die Insel nicht mit dem Auto, sondern per Fahrrad erkunden. Bei Billy’s Rental (1470 Periwinkle Way, Sanibel) mieten wir uns für den Tag zwei Drahtesel – auf dem dortigen Parkplatz dürfen wir unser Auto bis zur Rückgabe kostenfrei stehen lassen. Picknicktasche in den Fahrradkorb und schon geht es los! Ob wir die insgesamt 40 Kilometer, die kreuz und quer über die Insel verlaufen, komplett schaffen werden, ist noch nicht abzuschätzen. Wir fahren einfach mal drauf los und folgen zunächst dem Periwinkle Way Richtung Osten.

Der Fahrradweg verläuft baulich getrennt neben der Verkehrsstraße. Nach etwa 5 Minuten verzweigen sich links und rechts des Weges Wasserstraßen, die von Palmen gesäumt sind und einen direkten Blick auf die dahinter liegenden Wohnhäuser verhindern. Über die ein oder andere Brücke gelangen wir schließlich zum Fishing Pier des Sanibel Island Northern Beach und legen dort eine kurze Pause ein. Wir beobachten die Leute bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Angeln, und die Pelikane bei ihrer Futtersuche. Die Brücke des Sanibel Causeways wieder im Rücken fahren wir in die andere Richtung der Insel.

Am Periwinkle Way befindet sich das etwa sieben Hektar große Periwinkle Preserve.[2] Schräg gegenüber der Sanibel Community Church (1740 Periwinkle Way, Sanibel, FL 33957, Vereinigte Staaten) kennzeichnet auf der linken Seite ein Pavillon den Eingang zum dortigen, unscheinbaren Periwinkle Blue Skies Preserve Trail. Der 0,8 Kilometer lange Rundweg kann zu Fuß oder per Fahrrad erkundet werden und bietet eine Vielzahl tropischer Pflanzen sowie Wildtiere.[3]

Fleckchen der Ruhe

Während unserer gesamten Rundfahrt treffen wir nur selten auf andere Abenteurer. Wer Ruhe sucht, ist hier auf jeden Fall richtig. Wir fahren noch die ein oder andere Querstraße lang, gucken uns die an den gut ausgebauten Fahrradwegen errichteten Gebäude an und bestaunen den gerade entdeckten Adlerhorst.

Vom Radeln etwas müde, wechseln wir wieder zwei Räder gegen vier und steuern Fort Myers an. Wenigstens einen kurzen Eindruck davon, was die Stadt außer einem Übernachtungsplatz noch zu bieten hat, wollen wir uns machen.

Wer an Fort Myers denkt, kommt an einem berühmten Namen nicht vorbei: Thomas A. Edison. Der Erfinder mit fotografischem Gedächtnis verlebte ab 1884 auf Anraten seines Arztes die Wintermonate hier. In seinem Haus am McGregor Boulevard führe er in dieser Zeit zahlreiche Experimente durch, unter anderem auch mit Tausenden von Pflanzen aus aller Welt. Hierfür errichtete er sich sogar im Garten ein Labor. Während seines gesamten Lebens von 1847 bis 1931 meldete er unglaubliche 1097 Patente an; darunter das gewachste Butterbrotpapier, das Mikrofon und natürlich die Glühbirne.[4]

Die Sonne bringt alles zum Strahlen

Wir begeben uns, wie so oft, abseits des Mainstreams und fahren zum Centennial Park. Nachdem wir einen Parkplatz gefunden haben, laufen wir zum Wasser und den Edwards Drive entlang. Die rot gepflasterte, menschenleere Straße ist gesäumt von Palmen und verläuft zwischen den zwei Brücken Caloosahatchee Bridge und Edison Bridge. Die Gegend ist wunderschön angelegt: Springbrunnen, Kunstskulpturen, Grünflächen und Backsteingebäude. Dazwischen immer wieder der Blick auf den in der Sonne glitzernden Caloosahatchee River und die sich am kleinen Hafen tummelnden Boote.

Ohne genaues Ziel erkunden wir die Gegend und stoßen auf die ein oder andere kleine Attraktion:

  • Edison Theater: Das schön anzusehende Art Deco-Gebäude aus den frühen 1940er Jahren war bis 1981 am Samstagabend der Treffpunkt vieler Bewohner, um die neuesten Filme anzusehen. Heute wird es nur noch als Bürofläche genutzt.[5]
  • Capone’s: Das Lokal bietet Pizza und Zeitreise zugleich an. Es entführt seine Gäste in die Zeit der Prohibition in den 1920er und frühen 1930er Jahren. Chicago als Dreh- und Angelpunkt, wo einer der berühmtesten amerikanischen Gangster sein Unwesen trieb: Al Capone. Die Pizzeria ist gepflastert von historischen Erinnerungsstücken und erzählt Geschichten über das organisierte Verbrechen. Sogar die Türklinken sind stilecht in Form von Maschinenpistolen gestaltet.[6]
  • Old Lee County Court House: Zusammen mit dem etwa 1,75 Hektar großen, umliegenden Gelände bildet das 1916 im klassizistischen Stil erbaute Gebäude das Zentrum der Kreisverwaltung von Lee County. Aus der alten Eiche, die sich vor dem Eingang befindet und in den 1800er Jahren gepflanzt wurde, wurde eine beeindruckende Adlerfigur geschnitzt. Im Schatten liegende Bänke laden zum Verweilen und zum Bestaunen des riesigen, vermutlich in den 1920er Jahren gepflanzten Banyan-Baumes ein.[7]

Die Dämmerung bricht langsam herein und erneut um zahlreiche Eindrücke reicher, suchen wir nach einem geeigneten Ort fürs Abendessen.


Unser Fazit: Sanibel Island ist eine wunderschöne Insel, mit einer perfekten Mischung aus Natur, Ruhe und Stränden. Sie über die gut ausgebauten Fahrradwege erkunden zu können, ist eine willkommene Abwechslung. Zum einen sieht man viel mehr Details, zum anderen ist man der Natur viel näher.

Fort Myers bildet dazu den lebendigen Küstenort, an dem sich Geschäfte und Menschen tummeln. Um die Gegensätze nicht zu groß werden zu lassen, haben wir uns abseits des Lärms der Erkundung der Gegend rund um den Centennial Park gewidmet. Auch dort waren wir fern von Menschenmassen und konnten das Wasser, die Sonne und den amerikanischen Stil fühlen.

Quellenangaben:
[1] Florida, VISTA POINT Verlag GmbH, Potsdam 2017, 11. Auflage, ISBN 978-3-95733-637-8, Seite 141
[2] https://www.sanibelholiday.com/beach-blog/10-walking-hiking-trails-sanibel (letzter Abruf: 27.02.2026)
[3] https://www.sanibelislanddirectory.com/single-post/2015/05/12/Periwinkle-Blue-Skies-Preserve-Trail (letzter Abruf: 27.02.2026)
[4] Florida, VISTA POINT Verlag GmbH, Potsdam 2017, 11. Auflage, ISBN 978-3-95733-637-8, Seite 162f.
[5] https://www.cinematreasures.org/theaters/18639 (letzter Abruf: 27.02.2026)
[6] https://www.caponescoalfiredpizza.com/ (letzter Abruf: 27.02.2026)
[7] https://www.leegov.com/Documents/Self%20Guided%20Tour.pdf (letzter Abruf: 27.02.2026)
[3] Schweden, Reisebuchverlag Iwanowski GmbH, 2016, 13. Auflage, ISBN 978-3-86197-153-5, Seite 351f.
[4] Südschweden, Reise Know-How-Verlag Peter Rump GmbH, 2017, 2. Auflage, ISBN 978-3-8317-2923-4, Seite 168f.
[5] http://www.hallekis.com/arkiv/xx050520a.htm (letzter Abruf: 25.07.2020)

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