Heute verbringen wir ein bisschen mehr Zeit im Auto als die letzten beiden Tage. Aber umso größer ist bereits unsere Vorfreude auf das Ziel. Nachdem wir Miami hinter uns gelassen haben, fahren wir von Homestead über die US-1 (U.S. Highway 1 oder U.S. Route 1) nach Key West. Die Straße führt immer nur geradeaus, sodass Verfahren fast unmöglich ist.
Zunächst passieren wir den Biscayne National Park. Eines der wenigen Naturgebiete, die absichtlich nicht erschlossen und somit nur mit einem eigenen Boot oder geführten Touren erkundbar sind.[1] Anschließend beginnt der insgesamt 182 Kilometer lange Overseas Highway, der geradewegs über die Florida Keys führt und 30 der über 400 Inseln über 42 Brücken mit dem Festland verbindet.[2] Das war jedoch nicht immer so: Erst 1937 wurde auf den Trümmern der 1912 von Henry M. Flagler errichteten und 1935 durch einen Hurrikan zerstörten Eisenbahntrasse der Highway US-1 eröffnet (zuvor waren die Keys sogar nur per Schiff erreichbar).[3] Kleine grüne Schilder entlang der Straße zeigen als sogenannte Mile Marker (MM) Autofahrern an, wie weit man von den Keys entfernt ist. Key West hat den MM 0; South Miami liegt bei MM 126.[4]
Wasser so weit das Auge reicht
Die Florida Keys teilen sich in Upper Keys, Middle Keys und Lower Keys. Zu den drei größten Inseln der Upper Keys gehören Key Largo, Tavernier und Islamorada,[5] die sich durch folgende Attraktionen einen Namen gemacht haben:
- Key Largo: Die 48 Kilometer lange Insel bietet neben Motels und Schnellimbissen einen ersten Stopp für Tauchinteressierte. An der Marina del Mar liegt seit 1982 außerdem das Schiff „S/L Livingstone“, das einen für einen kurzen Moment zum Filmklassiker „The African Queen“ aus dem Jahr 1951 mit Humphrey Bogart und Katharine Hepburn zurückreisen lässt.[5]
- Tavernier: Im gleichnamigen Ort findet sich neben einer wunderschönen „Altstadt“ und dem pinkfarbenen Tavernier-Hotel das Laura Quinn Wild Bird Sanctuary. Die Organisation kümmert sich um Pelikane, Fischadler und Reiher, die durch einen Zusammenstoß mit Motorbooten oder Autos verletzt wurden.[6]
- Islamorada: Die Insel, die mehrere weitere kleine Keys umfasst, gilt als selbsternannte „Sports Fishing Capital of the World“. Der Schwertfisch bzw. Marlin ist nicht nur Aushängeschild und „Maskottchen“ auf Tassen, Werbetafeln und T-Shirts, sondern gleichzeitig auch das Ziel vieler dortiger Sportangler.[6]
Nach Islamorada und der Tea Table Channel Bridge halten wir vor der Indian Channel Bridge auf der linken Seite in einer der Parkbuchten an. Von dort hat man einen tollen Blick auf den Indian Key Channel und das gesamte Naturschutzgebiet Lignumvitae Key.



Unsere Fahrt führt anschließend auf die Middle Keys. Der Blick auf das uns umgebende Meer ist einfach traumhaft. So beschließen wir erneut nach der Big Bponge Bridge links ranzufahren und eine kleine Pause einzulegen. Die Palmen, die leichte Brise und das türkisfarbene Wasser am „The Quay on Overseas Highway“ (12650 Overseas Hwy, Marathon, FL 33050, Vereinigte Staaten) geben uns das Gefühl, als säßen wir mitten im Paradies.
Auf den Middle Keys kommen wir auch geradewegs am Ort „Marathon“ vorbei. Er erhielt der Überlieferung nach diesen Namen, als Erdölmagnat Henry Flagler seine Arbeiter zu einem „Arbeits-Marathon“ antrieb, um die Fertigstellung der oben bereits erwähnten Eisenbahntrasse noch selbst erleben zu dürfen.[7] Der Bau galt nämlich zur damaligen Zeit als eines der schwierigsten und ehrgeizigsten Projekte seiner Zeit, da die Ingenieure mit einem schnellen Tidenwechsel und dem instabilen Meeresboden zu kämpfen hatten.[8]
Vom „7 Mile Bridge – Vista Point“ kann man auf die beeindruckende, sieben Meilen lange Brücke aus dem Jahr 1912 (heute „Seven Mile Historic Bridge“ genannt) mit ihren insgesamt 210 Bögen schauen. Sie ruht auf 546 Betonpfeilern, von denen einige neun Meter tief ins Wasser reichen, um festen Halt auf dem Kalksteingrund zu finden.[8]


Nur 3,5 Kilometer vom Nordende der alten Brücke liegt die Mini-Insel Pigeon Key. Sie gehört aufgrund des restaurierten Bahnarbeiterlagers laut Reiseführer zur wohl einsamsten historischen Stätte der USA. Das Lager diente in den 1920er-Jahren 64 Bahnarbeitern als Schlafstätte und dokumentiert, unter welchen Anstrengungen, die Brücke erbaut und die Schienen verlegt wurden. Darüber hinaus lebten von 1908 bis 1935 zwischenzeitlich über 400 Arbeiter auf der Insel, deren Kinder gemeinsam eine kleine Schule besuchten und die im einzigen Laden der Insel einkauften.[9]
Parallel zur alten Brücke, die mittlerweile auch häufig als längster Anglerpier der Welt bezeichnet wird[8] und nur noch von Fußgängern oder Radfahrern erreichbar ist, verläuft die 1982 fertiggestellte, neue und breitere „Seven Mile Bridge“. Sie reicht von Marathon bis nach Bahia Honda Key.
Unter der Sonne Floridas fahren wir vom Vista Point zurück auf die (neue) Seven Mile Bridge und folgen dem Overseas Highway über die sich anschließenden Lower Keys. Auf der gesamten Inselkette finden sich zahlreiche Tierschutzgebiete und Habitate, die aufgrund ihrer Nähe zu Key West vom Tourismus nur gestreift wurden. Einige von ihnen sind sogar nur per Boot oder Kajak zu erreichen.[10]


Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich Key West. Die 1829 gegründete Stadt ist nicht nur die südlichste Stadt des amerikanischen Festlands, sondern auch die älteste in ganz Südflorida.[11] Nach den vielen Eindrücken lassen wir den heutigen Tag im Hotelpool ausklingen und freuen uns schon darauf, morgen den von vielen als einzigartig bezeichneten Spirit der Stadt selbst zu erleben.
Unser Fazit: Bevor man sich auf die US-1 Richtung Key West begibt, sollte man noch einen Halt in Homestead einplanen. Es ist die letzte Möglichkeit, etwas günstiger als auf den Inseln Proviant einzukaufen oder den Autotank zu füllen. Denn je näher man Key West kommt, desto höher steigen auch die Preise.
Die reine Fahrtzeit von Homestead nach Key West beträgt nur etwa 2,5 Stunden. Wer also nicht in Key West übernachten möchte, kann den Besuch auch als Tagesausflug planen. Unserer Meinung nach ist die Gegend und die Insel für sich jedoch so einzigartig, dass man ruhig 2-3 Tage dort verbringen kann. Düst man nur hin, verpasst man viel der wirklich wunderschönen, paradiesischen Natur. Am Straßenrand laden Parkbuchten oder kleine Parkplätze immer wieder zu einer kurzen Pause ein.
Quellenangaben:
[1] Florida, VISTA POINT Verlag GmbH, Potsdam 2017, 11. Auflage, ISBN 978-3-95733-637-8, Seite 86
[2] Florida, KARL BAEDEKER GmbH, Ostfildern 2018, 13. Auflage, ISBN 978-3-8297-4640-3, Seite 93
[3] Florida, KARL BAEDEKER GmbH, Ostfildern 2018, 13. Auflage, ISBN 978-3-8297-4640-3, Seite 94
[4] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 174
[5] Florida, KARL BAEDEKER GmbH, Ostfildern 2018, 13. Auflage, ISBN 978-3-8297-4640-3, Seite 95
[6] Florida, KARL BAEDEKER GmbH, Ostfildern 2018, 13. Auflage, ISBN 978-3-8297-4640-3, Seite 96
[7] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 213
[8] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 217
[9] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 218
[10] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 222
[10] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 238
#1 Florida, KARL BAEDEKER GmbH, Ostfildern 2018, 13. Auflage, ISBN 978-3-8297-4640-3
#2 Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2
#3 Florida, VISTA POINT Verlag GmbH, Potsdam 2017, 11. Auflage, ISBN 978-3-95733-637-8