Amerika 2016 // Tag 12: Meister ihres Fachs

Unsere Reise durch den Osten der USA geht weiter – nach Clearwater. Aber nicht auf einer normalen Straße, sondern über die einzigartige Sunshine Skyway Bridge. Bevor wir über sie hinwegfahren und dann eigentlich so gut wie nichts mehr von ihrem beeindruckenden Bau sehen, fahren wir von der zur ihr führenden I-75 immer mal runter und bestaunen die Brücke von den Ufern. Einen hervorragende Aussicht hat man auch vom Manatee County Rest Area (I-275, Terra Ceia) oder vom Angel Pier „North Skyway Fishing Pier State Park“ (I-275, St. Petersburg).

Dem Himmel entgegen

Die Brücke wurde 1987 fertiggestellt und ersetzte damit ihre Vorgängerin aus dem Jahr 1954, die durch die Kollision mit einem Frachter stark beschädigt wurde. Da diese Tragödie auch zahlreiche Menschenleben forderte, wurde beim Bau der neuen Brücke nicht nur auf ein ansprechendes Design geachtet, sondern insbesondere dem höchsten Maß an Sicherheit entsprochen. Sie verfügt über innovative technische Lösungen, um starken Winden, Schiffsstößen und anderen Umwelteinflüssen standzuhalten.[1]

Die Fahrt über die Brücke, die über die Bucht von Tampa führt und Terra Ceia mit St. Petersburg verbindet, ist mautpflichtig – aber allemal lohnenswert. Mit einer Spannweite von etwa 6,7 Kilometern erreicht die Brücke an ihrer Spitze eine Höhe von 131 Metern. An ihrer höchsten Stelle befindet sich die Brücke 55 Meter über dem Wasser, sodass selbst die größten Ozeanriesen mühelos unter ihr hindurchfahren können.[1]

Die Überfahrt ist genauso faszinierend, wie wir sie uns vorgestellt haben. Insbesondere beim Anstieg der pylonenähnlich gebauten Drahtseil-Konstruktion ergreift uns das Gefühl, als würden wir dem Himmel entgegenfahren. Angekommen auf der anderen Seite in St. Petersburg parken wir vor dem Dalí Museum. Doch bevor wir uns das Museum von innen anschauen, nutzen wir das noch schöne Wetter und erkunden die Gegend. Die Wettervorhersage kündigt nämlich einen Thunderstorm mit Starkregen an.

Ruhig und beschaulich

Wir laufen Richtung Osten an der Uferpromenade entlang und kommen zunächst am AI Lang Stadium vorbei. Das über 7.000 Zuschauer fassende Fußballstadion ist die Heimat der Tampa Bay Rowdies.[2] Nur wenige Meter davon entfernt auf der gegenüberliegenden Seite, befindet sich eine kleine Brücke, die in den Demens Landing Park führt.

Von der Informationstafel am Eingang erfahren wir, dass es sich bei „Demens Landing“ um einen der ersten Eisenbahnanleger in St. Petersburg handelt. Er wurde 1889 vom Unternehmer Peter Demens gebaut, der die Schienen seiner Orange Belt Railroad bis hierher verlängerte und damit die neue Stadt erschloss. Er benannte sie nach seiner russischen Heimatstadt „Sankt Petersburg“.[3]

In den 1930er Jahren wurde die Stadt aufgrund ihres milden Klimas vor allem für Rentner interessant. Und das ist bis heute so geblieben.[4] Diese entspannte Atmosphäre spüren wir, als wir weiter zum Yachthafen laufen. Zahlreiche einfache, mittelständische Segelboote liegen dicht an dicht an den Stegen und warten auf den nächsten Kurzausflug. Es hat nichts gemein mit den Luxuslinern in Miami oder Palm Beach.

Der Himmel wird zusehends dunkler, sodass wir nun das Dalí Museum besuchen. Schon von außen ist zu erahnen, dass es sich um ein außergewöhnliches Museum handelt. Der aus hurrikansicherem Glas und Beton errichtete surreal anmutende Bau, versteckt hinter ein paar Palmen, widmet sich seit 1982 den Werken und dem Schaffen des Künstlers Salvador Dalí. Auf drei Stockwerken sind über 2.400 Ölgemälde, Originalzeichnungen, Buchillustrationen, Künstlerbücher, Druckgrafiken, Skulpturen, Fotos, Manuskripte und Dokumenten ausgestellt[5] – die damit größte Dalí-Sammlung außerhalb Spaniens.[3] Die Etagen sind über eine Wendeltreppe, die an Dalís Besessenheit von Spiralen und der doppelten spiralförmigen Form des DNA-Moleküls erinnert, miteinander verbunden.[6]

Begegnung zweier Visionäre

In wechselnden Sonderausstellungen beleuchtet das Museum unterschiedliche Aspekte des Künstlers. Wir hatten zum Zeitpunkt unseres Besuches das Glück, in dessen Zusammenarbeit mit dem bekannten Trickfilmzeichner und Filmproduzent Walt Disney zu blicken: Die zwei faszinierenden Persönlichkeiten verband der Wunsch, Realität und Traum zu vermischen. Aufgrund der Bewunderung zueinander entstand 1945 die Idee, gemeinsam einen surrealistischen, animierten Kurzfilm, der Teil eines Films im Stil von Fantasia sein sollte, zu gestalten. Obwohl der Film „Destino“ zu ihrer beider Lebzeiten nicht fertiggestellt wurde und er grundlegende Unterschiede in der Vorgehensweise der beiden Männer offenbarte, blieb die Freundschaft zwischen ihnen bestehen.[7]

Zum Abschluss unseres Museumsgangs begeben wir uns noch in den kleinen angrenzenden Garten. Dort kann man sich mit Dalís berühmten Mustache oder den schmelzenden Uhren fotografieren lassen.

Die Wettervorhersage für den späten Nachmittag behält recht. Auf dem Weg zu unserem Hotel für den heutigen Abend durchfahren wir einen regelrechten Wolkenbruch. Trotz der höchsten Scheibenwischerstufe können wir die vor uns liegende Straße kaum erkennen. Mit starker Verzögerung und zeitweise nur in Schrittgeschwindigkeit erreichen wir aber schließlich wohlbehalten Clearwater. Und der Ort möchte sich sogleich von seiner schönsten Seite zeigen: Kaum haben wir den Ortseingang passiert, blicken wir in die strahlende, gerade untergehende Sonne am Horizont.


Unser Fazit: Die Fahrt über die spektakuläre Sunshine Skyway Bridge sollte man sich definitiv nicht entgehen lassen. Es ist einfach beeindruckend, welch bauliche Meisterleistungen möglich sind.

Das Dalí Museum ist sehr besonders und interessant. Die Architektur verschmelzt regelrecht mit den Ausstellungsstücken und lohnt besichtigt zu werden. Mit der angekündigten Sonderausstellung zur Zusammenarbeit zwischen Salvador Dalí und Walt Disney erhielten wir zudem einen Vorgeschmack auf die gesamte Walt Disney Welt, die uns in Orlando noch erwartet.

Quellenangaben:
[1] https://sunshineskywaybridge.website/ (letzter Abruf: 14.03.2026)
[2] https://www.rowdiessoccer.com/al-lang-stadium/ (letzter Abruf: 14.03.2026)
[3] Florida, VISTA POINT Verlag GmbH, Potsdam 2017, 11. Auflage, ISBN 978-3-95733-637-8, Seite 180f.
[4] Florida, VISTA POINT Verlag GmbH, Potsdam 2017, 11. Auflage, ISBN 978-3-95733-637-8, Seite 181
[5] https://thedali.org/about-the-museum/mission-history/ (letzter Abruf: 14.03.2026)
[6] https://thedali.org/about-the-museum/the-building/ (letzter Abruf: 14.03.2026)
[7] https://www.waltdisney.org/exhibitions/disney-and-dali-architects-imagination (letzter Abruf: 14.03.2026)

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