Von Fort Myers aus düsen wir die Interstate 41 Richtung Norden. Unser Ziel am Abend ist Sarasota. Nach etwa 100 Kilometern beschließen wir jedoch erst einmal eine Pause einzulegen – im Inselstädtchen Venice. Einst ein Fischerei- und Bauerndorf ist es zur „Haifischzahnhauptstadt der Welt“ geworden. Einwohner und Touristen kommen her, um nach prähistorischen Haifischzähnen zu suchen.[1]
Picknick am Strand
Bei der parallel zur Esplanada Ave verlaufenden Verlängerung der Granada Ave gibt es zahlreiche Parkplätze. Der Strand ist nur unweit davon entfernt und über Holzstege und -brücken zugänglich. Wir richten uns ein kleines Picknick und setzen uns in den Schatten am Strandufer. Plötzlich hören wir es aus den gegenüberliegenden Bäumen wie wild zwitschern. Beim Blick nach oben sehen wir zig kleine Vögel, die auf der Suche nach winzigen Käfern und Würmern mit ihren Schnäbeln an den Ästen herumknabbern. Es ist ein kleines Spektakel, dem wir neugierig und belustigt zugleich zuschauen.
Wir genießen noch ein bisschen das Treiben am sowie um den Strandabschnitt, bevor wir unsere Fahrt fortsetzen. Wir steuern als nächstes den Bayfront Park in Sarasota an. Einen kostenfreien Parkplatz findet man ganz in der Nähe.


Der Bayfront Park ist bei der Hitze ein wunderschönes, schattiges Fleckchen. Er ist wie eine kleine Insel angelegt. Nur ein paar kleine Felsen bis zur Kante der asphaltierten Wege trennen einen vom Wasser des Golf von Mexiko. Wir laufen die Wege entlang und genießen immer wieder den uns gebotenen Anblick. Der Blick auf die ankernden Boote am Hafen und über die Bucht zur Ringling Bridge ist von der Westseite des Sarasota Bayfront Parks einfach spektakulär.
Stadt der Künste
Der Name der Brücke geht auf den reicher Kunstsammler John Ringling zurück, der sich mit seinen Brüdern ein Zirkusimperium aufbaute. Sein Vermögen investierte er in Eisenbahnen und Ölquellen, aber auch in Grundstücke und Gebäude. Sarasota wurde zum Winterquartier seines Zirkus‘.[2] Von seinen zahlreichen Weltreisen mit seiner Frau Mable brachte er Kunstgegenstände aller Art nach Sarasota, sodass er 1920 begonnen hatte, sich unter anderem ein eigenes Museum zu bauen. Seine Gebäude sind überwiegend von der italienischen Renaissance inspiriert – ein Stil, der von seinen Reisen stammt.[2] Heute kann das Gelände, einschließlich des Circus Museums, des John and Mable Ringling Museum of Art und seines Herrenhauses, dem Ca‘ d’Zan, besichtigt werden.


Auf diese Weise erlangte Sarasota den Beinamen „Stadt der Künste“. Das versucht Sarasota auch an vielen anderen Plätzen und Orten immer wieder zu bekräftigen. Direkt am Bayfront Park steht eine 25 Fuß hohe Statue namens „Unconditional Surrender“ des Bildhauers J. Seward Johnson. Sie zeigt einen amerikanischen Seemann, der während der Feierlichkeiten auf dem Time Square in New York City nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine Krankenschwester umarmt und küsst. Da die Statue bequem erreichbar ist, stellt sie ein sehr beliebtes Fotomotiv dar – und es ist gar nicht so einfach, sie mal ohne Touristen abzulichten.
Unser Fazit: Die Strecke von Fort Myers nach Sarasota hat für unser Dafürhalten wenige Highlights zu bieten. Das soll nicht heißen, dass es sich nicht lohnt an der ein oder anderen Stelle anzuhalten, den Strand zu genießen oder Kunstwerke zu besichtigen. Jeder unserer Stopps war schön, ist aber kein Must-See. Wer die Muse und Kraft hat, kann auch bis Tampa durchfahren. Aber da wir uns im Urlaub befinden und durch Job & Co. zu Hause genug Zeitdruck verspüren, bevorzugen wir es zu entschleunigen und lieber eine Pause mehr zu machen. Wer den Blick weitet, stößt immer auf Sehenswürdigkeiten – auch wenn sie in keinem Reiseführer explizit erwähnt werden. 😉
Quellenangaben:
[1] https://www.visitsarasota.com/venice-0 (letzter Abruf: 04.03.2026)
[2] Florida, VISTA POINT Verlag GmbH, Potsdam 2017, 11. Auflage, ISBN 978-3-95733-637-8, Seite 171